Andreas Schwarz diskutiert Inklusion
Stefanie Aeffner (Behindertenbeauftragte des Landes), Dr. Corina Schimitzek (Leiterin des Staatlichen Schulamts Nürtingen) und Christine Fischer (Leiterin des Amts für besondere Hilfen am Landratsamt Esslingen) v.re.n.li. diskutieren am 15.3.2018 auf Einladung von Andreas Schwarz das Thema Inklusion an der Schule

Gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen beginnt mit gelungener Inklusion. Von der Kita über die Schule bis zum Beruf – jeder junge Mensch hat das Recht auf eine seiner Begabung entsprechenden Erziehung und Ausbildung.

Darüber diskutierten bei einem Fachgespräch auf Einladung von Andreas Schwarz am 15.3.2018 die Landesbehindertenbeauftragte Stefanie Aeffner, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Dr. Corina Schimitzek und Christine Fischer, die Leiterin des Amts für besondere Hilfen beim Landratsamt Esslingen

Die grün geführte Landesregierung hat bereits 2015 mit der Änderung des Schulgesetzes die Sonderschulpflicht abgeschafft. Schülerinnen und Schüler die ein sonderpädagogisches Bildungsangebot benötigen haben nicht mehr die Pflicht zum Besuch einer Sonderschule, sondern das Recht auf ein inklusives Angebot an einer allgemeinbildenden Schule. Dabei steht die bestmögliche Förderung für jedes einzelne Kind im Vordergrund.

Seit der Verankerung der Inklusion im Schulgesetz haben die Verantwortlichen an den Schulen und in der Schulverwaltung Konzepte und Abläufe entwickelt, um die Idee der inklusiven Bildung praxistauglicher zu machen. Das Land hat bisher für die inklusive Beschulung an allgemeinbildenden Schulen zusätzlich 400 Lehrerstellen geschaffen. Für die Schuljahre 2017/18 und 2018/19 werden jeweils weitere 159 Deputate bereitgestellt. Dort wo es fachlich sinnvoll und möglich ist gilt das Zwei-Pädagogen-Prinzip.

Die Staatlichen Schulämter haben mit den Bildungs- und Berufswegekonferenzen ein Verfahren entwickelt, um gemeinsam mit allen Beteiligten – dazu gehören Eltern, Schulträger, Eingliederungshilfe und Schülerbeförderung – ein passendes Bildungsangebot für jedes Kind zu finden, und mögliche Hindernisse schon im Vorfeld zu klären.

In der Lehrerausbildung und der Lehrerfortbildung wurde auf die neuen Anforderungen reagiert: Angehende Lehrer lernen bereits an den Hochschulen die wissenschaftlichen und schulpraktischen Grundlagen der Inklusion kennen. Für bereits unterrichtende Lehrer wurden entsprechende Fortbildungsangebote geschaffen. Darüber hinaus stehen den Schulen an jedem Staatlichen Schulamt Praxisbegleiter für alle Schularten zur Fortbildung und Unterstützung zur Verfügung.

Damit sollen gute Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion geschaffen, die Eltern bei der Schulwahlentscheidung bestmöglich beraten und die Lehrerinnen und Lehrer nach Kräften unterstützt werden. Zu den vorrangigen Aufgaben der nächsten Jahre gehört es, zusätzliche sonderpädagogische Lehrkräfte zu gewinnen, denn es stehen genügend Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Ausbildung zur Verfügung.

Um den besonderen Lehrerbedarf im Bereich der Sonderpädagogik sicherzustellen, hat das Land die Studienanfängerkapazitäten an den Pädagogischen Hochschulen deutlich erhöht (von 390 im Jahr 2015 auf 520 im Jahr 2017). Darüber hinaus werden künftig vermehrt Haupt- und Werkrealschullehrkräfte an SPBZ (Sonderpädagogisches Bildungszentrum) eingesetzt. Hierbei setzt das Land vor allem auf die Weiterqualifizierung von bisherigen Haupt- und Werkrealschullehrkräften. Sie haben oftmals bereits sehr gute Kenntnisse.

In diesem Zuge werden 800 Haupt- und Werkrealschullehrer, die bereits jetzt an SPBZ unterrichten, sonderpädagogisch weiterqualifiziert. Für Haupt- und Werkrealschullehrer, die gegenwärtig noch an Haupt- und Werkrealschulen unterrichten, jedoch künftig an SPBZ eingesetzt werden, wird ab dem Wintersemester 2018/19 ein modifiziertes Aufbaustudium angeboten. Auf diese Weise können in den kommenden Jahren insgesamt 400 Haupt- und Werkrealschullehrer für den Einsatz an SPBZ qualifiziert werden.

Wichtig ist, die Lehrkräfte auszubilden die die Inklusion in den Schulen begleiten. Deshalb wurden die Pädagogischen Hochschulen gestärkt und das Fach Sonderpädagogik ausgeweitet. Bis zum Schuljahr 2022/23 werden wir insgesamt 1.353 neue Lehrerstellen für die inklusive Beschulung schaffen.

Mit der schulgesetzlichen Verankerung hat die Inklusion erst begonnen. Es bedarf noch erheblicher weiterer Anstrengungen, um die Qualität der inklusiven Bildungsangebote im Interesse der Schülerinnen und Schüler auf Dauer zu sichern und durch individuelles Lernen zu mehr Chancengerechtigkeit beizutragen. Im engen Zusammenwirken zwischen Eltern und Schulen, Schulverwaltung und außerschulischen Partnern sowie allgemeiner Pädagogik und Sonderpädagogik kann die Querschnittsaufgabe Inklusion gelingen.

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